Die Erbschaft in Brasilien unterliegt einem komplexen rechtlichen Rahmen, der sich stark von dem in Deutschland oder anderen europäischen Ländern unterscheidet. Brasilianisches Erbrecht basiert auf dem Zivilgesetzbuch (Código Civil), das klare Regeln für die Verteilung des Vermögens einer verstorbenen Person vorgibt. Ein zentraler Aspekt ist die Pflichtteilsregel, die sicherstellt, dass bestimmte Angehörige, wie Ehepartner und Kinder, einen Mindestanteil des Nachlasses erhalten. Diese Vorschriften schützen die familiären Rechte und verhindern, dass Erbschaften vollständig nach dem Willen des Verstorbenen verteilt werden, wenn dies nahe Verwandte benachteiligen würde.
Gesetzliche Erbfolge und Pflichtteile
Die gesetzliche Erbfolge in Brasilien teilt die Erben in verschiedene Klassen ein. Zuerst kommen direkte Nachkommen, gefolgt von Eltern und anderen Verwandten, falls Erbschaft Brasilien keine Kinder vorhanden sind. Ehepartner haben ebenfalls gesetzliche Ansprüche, deren Höhe von der Art der ehelichen Gütergemeinschaft abhängt. Besonders zu beachten ist, dass die brasilianische Gesetzgebung die Hälfte des Vermögens für Pflichtteilsberechtigte reserviert. Dies bedeutet, dass selbst wenn ein Testament existiert, ein Teil des Nachlasses nicht frei verteilt werden kann, um die Rechte der nächsten Angehörigen zu wahren.
Testamentarische Regelungen in Brasilien
Ein Testament (testamento) ist in Brasilien ein wichtiges Instrument, um die Vermögensverteilung nach den eigenen Vorstellungen zu gestalten. Es kann handschriftlich, notariell oder öffentlich erstellt werden. Notarielle Testamente gelten als besonders sicher, da sie klare rechtliche Bindung haben und leichter vor Gericht anerkannt werden. Wichtig ist, dass das Testament die Pflichtteile der gesetzlichen Erben respektiert, da sonst Anfechtungen durch die Angehörigen möglich sind. Testamente können auch spezielle Anweisungen für Immobilien, Bankkonten oder Unternehmensanteile enthalten.
Steuerliche Aspekte der Erbschaft
Erbschaften in Brasilien sind steuerpflichtig. Die sogenannte „Imposto sobre Transmissão Causa Mortis e Doação“ (ITCMD) wird auf den Wert des geerbten Vermögens erhoben und variiert je nach Bundesstaat zwischen 2 % und 8 %. Immobilien, Wertpapiere und Bankguthaben werden bei der Berechnung des Steuerbetrags berücksichtigt. Steuerliche Planung ist daher entscheidend, um hohe Abgaben zu vermeiden. Viele Erben nutzen professionelle Beratung, um die Steuerlast zu optimieren und sicherzustellen, dass alle gesetzlichen Vorgaben korrekt erfüllt werden.
Internationale Erbschaften und brasilianisches Recht
Wenn ein Erblasser Vermögen sowohl in Brasilien als auch im Ausland besitzt, wird die Erbschaft komplexer. Brasilianisches Recht gilt für alle Vermögenswerte innerhalb des Landes, während internationale Abkommen und das Recht des anderen Landes für ausländisches Vermögen maßgeblich sein können. Es ist wichtig, sowohl brasilianische als auch internationale Rechtsberatung in Anspruch zu nehmen, um Doppelbesteuerung zu vermeiden und die Erbschaft effizient zu regeln. Gerade für Expats und Rückkehrer spielt diese Rechtslage eine zentrale Rolle bei der Nachlassplanung.